Okul Cagina Dil Edinimi Spracherwerb bis Schulalter

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Okul Cagina Dil Edinimi Spracherwerb bis Schulalter

Okul Cagina Dil Edinimi Spracherwerb bis Schulalter

 

DER KINDLICHE SPRACHERWERB

Wie es Kindern gelingt, innerhalb weniger Jahre ein so umfassendes System wie die menschliche Sprache zu erlernen, ist seit langer Zeit ein komplexes und beliebtes Forschungsthema, an dem verschiedeneWissenschaftszweige beteiligt sind (Weinert & Grimm 2008). Als wichtigste Disziplinen bei der Erforschungder Sprachentwicklung sind die Linguistik und die Psychologie zu nennen. Dabei beschäftigtsich die Linguistik bzw. Sprachwissenschaft mit der Sprache an sich und die Psychologie mit denzugehörigen kognitiven Funktionen (informationsverarbeitende Prozesse wie Problemlösen, Wissenund Gedächtnis).

Will man den menschlichen Spracherwerb analysieren, so kann dies nicht unabhängig von Denkprozessen (Kognitionen) geschehen. Spricht eine Person, so vermittelt sie ab einem gewissen EntwicklungsstandBedeutungsinhalte, die im Gehirn gespeichert sind. Sprache und Kognition stehen in enger Wechselwirkungzueinander und können deshalb nicht getrennt voneinander betrachtet werden (Kegel 2000). Sosind kognitive Fortschritte häufig die Folge der sprachlichen Entwicklung und umgekehrt ist sprachlicheKompetenz das Ergebnis neu erworbener kognitiver Fähigkeiten. Sprache basiert demzufolge aufkognitiven Prozessen und dient dem Ausdruck bzw. dem Austausch von Gedanken, Vorstellungen etc.(a. a. O.). Der kindliche Spracherwerb ist darüber hinaus eng verbunden mit Motorik, Wahrnehmungund Emotionen. Um Sprechen zu lernen, müssen Kinder sich bewegen und aktiv ihre Umgebung undderen Objekte erkunden. Emotionale Sicherheit stellt hierbei eine wichtige Voraussetzung dar.

Sprache ist ein vielschichtiger Entwicklungsprozess, der folgendermaßen gekennzeichnet werden kann:

1. Das Kind ist mit einem biologischen Mechanismus zum Spracherwerb ausgestattet (Böhme 2003).Die Sprachentwicklung folgt im Allgemeinen gewissen zeitlichen und inhaltlichen Gesetzmäßigkeiten.Neurobiologen betonen das Vorhandensein sensibler Phasen, während der der Organismus besondersempfänglich für bestimmte Lerninhalte ist (Szagun 2004). Die Zeit zwischen der Geburt einesKindes bis etwa zum Eintritt in die Grundschule kann generell als sprachsensible Entwicklungsphasebezeichnet werden. Wird diese Zeitspanne nicht optimal genutzt, können Defizite nur schwer bzw.gar nicht mehr behoben werden (Kiese-Himmel 2004).

2. Das Kind verfügt über die Fähigkeit der Imitation und ist lernfähig. Beim Erwerb der Sprache spielen Lernprozesse (z. B. Verstärkungslernen) eine wichtige Rolle (Weinert & Grimm 2008).

3. Um menschliche Sprache zu erwerben, muss das Baby über ein gut funktionierendes Gehör verfügen (a. a. O.).

4. Kognitive Fähigkeiten müssen ausreichend ausgebildet sein. Der Erwerb der Sprache erfolgt durch einen aktiven Induktionsprozess. Hierbei werden einzelne sprachliche Daten im Gedächtnis bearbeitetund unbewusst sprachliche Regelmäßigkeiten erkannt, die für die weitere Anwendung gespeichertwerden. Das Lernen erfolgt implizit, d. h. ohne eine bewusste Reflexion des Gelernten (Grimm 1999).

5. Das Kind wächst in einer sprachlich anregenden Umgebung auf. Ohne Bezugspersonen, die mit dem Kind sprechen, kann sich Sprache nicht entwickeln (Böhme 2003).

 

1-Von der Geburt bis zum Schuleintritt – die sprachsensible Entwicklungsphase

Generell ist die Sprachentwicklung nur in einem bestimmten Zeitfenster möglich. Die Zeit zwischen der Geburt eines Kindes bis etwa zur Grundschulzeit kann als sprachsensible Entwicklungsphase bezeichnetwerden. In diesem Zeitfenster ist das Gehirn des Kindes besonders empfänglich für sprachlicheInformationen (Szagun 2007a). Wird diese Phase nicht optimal genutzt, können Defizite kaum mehraufgeholt werden (Kiese-Himmel 2004). Spätestens im Alter von 13 Jahren ist die Sprachentwicklungnahezu vollständig abgeschlossen. Danach können zum Beispiel bestimmte grammatikalische Regelnnicht mehr vollständig erlernt werden (Szagun 2004).

Damit ein Kind in der Schule erfolgreich sein kann, sind gute Sprachkenntnisse unabdingbar. Der Schulerfolg kann zum Beispiel durch den Wortschatzerwerb vorhergesagt werden. Kinder mit einemgrößeren Lexikon haben signifikant häufiger Erfolg in der Schule als Kinder, die nur wenige Wörterkennen (Toppelberg & Shapiro 2000). Je größer der Wortschatz eines Kindes ist, desto besser sind dieverbale Kommunikation, die Lernbereitschaft und die Gedächtnisleistungen. Darüber hinaus erleichtertein größerer Wortschatz den Aufbau sozialer Beziehungen (Kiese-Himmel 2004). Je größer das Lexikon,desto besser kann sich ein Kind mit Gleichaltrigen austauschen. Fehlen dem Kind häufig die richtigenWorte, ist es ein schlechter Gesprächspartner.

Die menschliche Sprache ist humanspezifisch und biologisch angelegt. Das neugeborene Kind istdurch seine Anlagen bestens auf den Spracherwerbsprozess vorbereitet. Ohne das Vorhandenseinvon sprechenden Bezugspersonen (sprachliche Umwelt), die mit dem Kind interagieren, ist derSpracherwerb jedoch keinesfalls möglich. Damit sich Sprache optimal entwickeln kann, müsseninnere und äußere Faktoren mit dem Ziel einer bestmöglichen Passung zusammenwirken (Weinert &Grimm 2008).

Szagun (2007a) weist jedoch mehrfach auf die Variabilität beim kindlichen Spracherwerb hin. „Normal ist nicht eine festgesetzte Norm. Normal sind Vielfalt und Unterschiedlichkeit“ (S. 130). So ist es durchausnormal, dass der Sprachstand von Zweijährigenum bis zu zwölf Monate variieren kann.

 

Basierend auf diesen beiden Strängen werden zwei große Theorien unterschieden:

1. Inside-out-Theorien konzentrieren sich auf die Bedeutung angeborener sprachspezifischer Mechanismen. Laut Chomsky (1957) kommen Kinder als „Sprachgeneralisten“ zur Welt (Nativismus).

2. Outside-in-Theorien betonen den starken Einfluss der sprachlichen Umwelt (z. B. Nachahmungslernen) und den Einfluss der kognitiven Entwicklung auf den Spracherwerb.

 

Um den Spracherwerb vollständig erklären zu können, eignen sich am besten interaktionistische Theorien. Danach kann der Spracherwerb nur dann erfolgreich funktionieren, wenn das Kind mit biologischfundierten Anlagen zur Welt kommt, das Bedürfnis nach Interaktion mit anderen hat und in einersozialen und kommunikativen Umwelt aufwächst, in der dieses Bedürfnis ausreichend befriedigt wird.Da Kinder über unterschiedliche angeborene Fähigkeiten verfügen und in verschiedenen Umweltenaufwachsen, treten individuelle Unterschiede beim Spracherwerb auf (Berk 2005). Der Anspruch vonEltern und Fachkräften sollte es deshalb sein, Kindern seitens der Umwelt eine bestmögliche sprachlicheFörderung zukommen zu lassen, um ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Im Folgenden wird die Sprachentwicklung in Anlehnung an Kegel (2000) genauer dargestellt. Die Sprachentwicklung erfolgt in fünf Stadien, wobei für jede Entwicklungsphase die typischen sprachlichenund kognitiven Fähigkeiten thematisiert werden. Zwischen einzelnen Stufen sind die Übergänge alsfließend zu betrachten. Die Altersangaben sollten als grobe Orientierung gelten. Abweichungen vonden vorgegebenen Stufen weisen nicht zwingend auf eine Sprachentwicklungsstörung hin (a. a. O.).Schließlich sind Kinder Individuen, die sich nur schwer miteinander vergleichen lassen. So treten beider Sprachentwicklung zum Beispiel geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Mädchen erwerben inder Regel früher einen größeren Wortschatz als Jungen (Fenson et al. 1994). Es ist davon auszugehen,dass sich aufgrund einer schnelleren biologischen Reifung die linke Hirnhälfte bei Mädchen rascherentwickelt und deshalb der Aufbau des Lexikons schneller erfolgt. Möglicherweise werden Mädchen vonihren Müttern zudem unbewusst stärker beim Spracherwerb gefördert (Leaper 1998). Auch kindlicheAnlagen wie das Temperament beeinflussen die Sprachentwicklung. Vorsichtige und reservierte Kinderfangen häufig später an zu sprechen (Nelson 1973).

2-Vor der Geburt

Der Säugling verfügt von Geburt an über eine gewisse „Grundausstattung“, ohne die eine sprachliche und kognitive Entwicklung nicht möglich wäre. Diese Ausstattung wird während der pränatalen Entwicklunggebildet. Zu diesen Anlagen gehören zum Beispiel Sinneswahrnehmungen wie das Hören,durch das bereits der Fötus zwischen Geräuschen der Umwelt und menschlichen Stimmen unterscheidenkann (Kegel 2000). Im Allgemeinen stellt das Hören eine der wichtigsten Voraussetzung für denSpracherwerb dar. Bereits drei bis vier Monate alte Föten verfügen über ein funktionsfähiges Gehör.Geräusche aus der Umwelt und die Stimme der Mutter werden gedämpft, aber nachweislich ab der 20.Schwangerschaftswoche wahrgenommen (a. a. O.). Am Ende des zweiten Drittels der Schwangerschafthat sich ein Großteil der Nervenzellen im Gehirn des ungeborenen Kindes gebildet. In dieser Phasezieht das ungeborene Kind (vgl. DeCasper & Spence 1986) den Ton und Rhythmus der mütterlichenSprache anderen Geräuschen vor. Wenige Tage alte Säuglinge erkennen einen Text, der ihnen vor derGeburt mehrfach vorgelesen wurde, eindeutig wieder (a. a. O.). Die für den Spracherwerb wichtigenprosodischen und phonologischen Kompetenzen liegen demzufolge bereits beim Fötus vor. Ohne diesevielseitige „Grundausstattung“ ist der Spracherwerb nicht möglich.

3-Das erste Lebensjahr

  1. Kommunikation ohne Worte

Bereits Babys kommunizieren mit ihren Bezugspersonen. Um ihre momentane Befindlichkeit auszudrücken,stehen ihnen verschiedene Symptom- und Signalfunktionen wie zum Beispiel das Schreien zur Verfügung. Damit sich im Laufe der Entwicklung Sprache herausbilden kann, ist das Kind mit sozialkognitiven und sprachlich-kognitiven Vorausläuferfähigkeiten ausgestattet. Angeborene prosodische und phonologische Fähigkeiten bilden sich weiter heraus und können durch zahlreiche Experimente nachgewiesen werden. Sie sollen im Folgenden noch differenzierter erklärt werden.

Symptom- und Signalfunktionen

Bereits ein neugeborenes Kind verfügt über Symptom- und Signalfunktionen, um sich seiner Umwelt mitzuteilen. Durch Bewegungen, Mimik, Weinen, Schreien etc. kommuniziert der Säugling seinaktuelles Befinden an die Bezugspersonen (Kegel 2000). Das Schreien eines Babys ist sicherlich dasoffensichtlichste Mittel, um andere auf seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Feinfühlige Elterndifferenzieren zwischen verschiedenen Arten des Schreiens und können so in der Regel problemlos dieUrsache dafür ableiten. Häufigste Gründe für kindliches Schreien sind Hunger, ein Temperaturwechselund Schmerzen. Schreit ein Baby, so haben Bezugspersonen das Bedürfnis, das Kind möglichst schnellzu beruhigen. Die Symptom- und Signalfunktion des Kindes und das Bedürfnis Erwachsener, sich umein schreiendes Baby zu kümmern, ergänzen sich optimal und sichern das Überleben des Säuglings, derohne die Fürsorge anderer nicht überleben könnte (Berk 2005). Feinfühlige Eltern sind in der Lage, dieSignale des Kindes wahrzunehmen, zu entschlüsseln und prompt und angemessen darauf zu reagieren.Dies hat den Aufbau einer sicheren Bindung zur Folge.

Sozial-kognitive Vorausläuferfähigkeiten

Neugeborene reagieren auf die Anwesenheit von Personen und schenken der Kommunikation von Eltern und Geschwistern viel Aufmerksamkeit. Säuglinge achten neugierig auf Stimmen, betrachten Gesichterund schauen ihrer Bezugsperson in die Augen. Das Bedürfnis, mit anderen Menschen in Kontakt zutreten, ist angeboren und wird „automatisch“ von den Bezugspersonen gestillt. Eltern kommunizierenvon Anfang an mit ihrem Baby. Diese Kommunikation ist nonverbaler und verbaler Natur und durchfolgende Verhaltensweisen gekennzeichnet: Eltern erwidern den Blick ihres Kindes, lächeln das Babyan, nicken zustimmend und sprechen mit dem Säugling, als ob dieser die Inhalte bereits verstehen könnte(Whitehead 2007). Daraus resultierende Momente sogenannter „geteilter Aufmerksamkeit“ sind sehrwichtig für den weiteren Spracherwerb des Kindes (Locke 1994). Je häufiger es einer Mutter gelingt,eine Episode geteilter Aufmerksamkeit mit ihrem Baby herzustellen, desto größer ist beispielsweise derproduktive Wortschatz des Kindes mit 21 Monaten (Grimm 1999).

Trevarthen (1993) konnte nachweisen, dass Babys nicht nur auf die Anwesenheit von Personen reagieren, sondern auch Gestik und Mimik ihrer Bezugspersonen nachahmen. Sie öffnen den Mund, zwinkern mitden Augen, bewegen ihre Augenbrauen, öffnen und schließen die Hand (Whitehead 2007). Gestik undMimik gelten ebenfalls als Vorausläuferfunktionen der menschlichen Sprache.

Die Fähigkeit des Säuglings, seine Aufmerksamkeit auf Gesicht und Stimme anderer zu lenken und die daraus resultierende geteilte Aufmerksamkeit sowie die Anlage, Gestik und Mimik der Bezugspersonen zuimitieren, gelten als sogenannte sozial-kognitive Vorausläuferfähigkeiten, ohne die sich die menschlicheSprache nicht entwickeln kann.

Sprachrelevante Kognition

Damit sich Sprache entwickeln kann, bedarf es zudem sprachlich-kognitiver Vorausläuferfähigkeiten. Um Objekte später einmal mit Wörtern benennen zu können, muss der Säugling erst einmal die Fähigkeitentwickeln, Begriffe und Kategorien zu bilden (mentale Repräsentationen).

Hierbei kommt den Erkundungsaktivitäten in der vorsprachlichen Phase eine große Bedeutung zu. Kinder, die in der Lage sind, eigenständig ihre Umwelt zu erkunden, erfahren eine ganze Menge überdie Objekte ihrer Umgebung. Motorische Fähigkeiten hängen folglich eng mit kognitiven und sprachlichenLeistungen zusammen. Eine optimale Sprachentwicklung setzt Exploration voraus (Dux & Sievert2008). Erkundet das Kind Objekte, werden diese als Erkenntniseinheiten im Gedächtnis gespeichert(Objektkonstanz), wo sie jederzeit abgerufen werden können. Kegel (2000) weist darauf hin, dass die kognitivenLeistungen des ersten Lebensjahres zwar nicht sprachlich sind, aber das Erkunden der Umweltals wichtige Voraussetzung für die Verbindung von Sprache und Kognition gilt. Eine sichere Bindungerleichtert es dem Kind, zu explorieren.

  1. Erste phonologische Laute und Wörter

Laute sind die Bausteine jeder Sprache. Indem das Kind die typischen Sprachlaute seiner Mutterspracheimmer wieder hört, lernt es diese zu unterscheiden und später auch selbst einzusetzen. Der Erwerb der Sprachlaute erfolgt über verschiedene Stufen. Zuerst erwerben Kinder beispielsweise „einfachere“ Laute wie „b“ oder „d“, bevor „schwierigere“ Laute wie „f“ und „s“ folgen (Kany & Schöler 2007). Auf dem Weg zum ersten Wort durchläuft das Kind verschiedene Sprachentwicklungsphasen. Bereits wenige Wochen alte Babys gurren, bevor sie lachen und Laute bilden und schließlich zu lallen beginnen.

Gurren: Bereits ab dem Alter von etwa sechs Wochen beginnt der Säugling zu gurren (Weinert & Grimm 2008). Gurrlaute sind helle, vokalähnliche, in der Tonhöhe modulierte Laute, welche verstärkt zwischender 12. bis 16. Woche auftreten (Franke 2001). Durch das Gurren übt der Säugling erstmals seineStimme gezielt einzusetzen.

Lachen und Lautbildung: Etwa zwischen dem Alter von zwei und vier Monaten ist das Kind fähig, erste Laute zu bilden und Vokale nachzuahmen (Weinert & Grimm 2008). Der Säugling beginnt nun mitseinen Sprechorganen zu experimentieren. Laute sind kleinste wahrnehmbare Einheiten der gesprochenenSprache (Franke 2001).

Lallstadium: Frühestens ab dem sechsten Monat kann der Säugling Lalllaute bilden. Er äußert Konsonant-Vokal-Laute wie „baba“, „lala“, „dada“, die ihm sichtlich Freude bereiten (Weinert & Grimm 2008).Die Lalllaute weisen bereits deutliche Merkmale der Muttersprache auf (Penner 2000). Lallen hat zweiwichtige Funktionen: Das Kind übt die Lautproduktion für seine ersten Wörter und zieht die Aufmerksamkeitseiner Bezugspersonen auf sich. Es entsteht eine soziale Interaktion, bei der der Säugling seineGefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck bringen kann (Weinert & Grimm 2008). Bleibt das Lallen ausoder treten im Lallstadium Auffälligkeiten auf, so sollte das Gehör des Kindes überprüft werden.

Gehörlose Kinder können keine Lallsequenzen bilden. Kinder, die nicht oder erst spät lallen, bilden häufiger Sprachentwicklungsstörungen aus (Oller et al. 2001).

Bevor ein Kind sein erstes Wort spricht, produziert es erste Laute. Aufeinander aufbauend gurrt das Kind, lacht und bildet Laute und geht schließlich zum Lallen über. Bereits im Lallstadium können ersteSprachstörungen diagnostiziert werden.

4-Das zweite Lebensjahr – Erste Hälfte

Zu Beginn des zweiten Lebensjahres oder kurz vorher ist die phonetisch-phonologische Entwicklungso weit fortgeschritten, dass Kinder ihr erstes Wort sprechen (Kany & Schöler 2007). Hierbei kommtder Imitation elterlicher Wörter eine große Bedeutung zu. Durch das häufige Wiederholen bestimmter Begriffe unterstützen Eltern die Nachahmung. Spricht das Kind sein erstes Wort, so kann es bereits circa60 Wörter verstehen (rezeptiver Wortschatz). Um Wörter später einmal in ihrer eigentlichen Bedeutungeinsetzen zu können, muss sich das symbolische Verständnis der Kinder weiterentwickeln. Die bisherzentralen Symptom- und Signalfunktionen werden allmählich durch die kommunikative Symbolfunktionergänzt (vgl. Bühler 1965).

Imitation

Zu Beginn der Sprachentwicklung imitiert der Säugling erst vorgesprochene Laute, später Wörter (Echosprache) (vgl. Kegel 2000). Der Erwerb neuer Wörter erfolgt vergleichsweise langsam und setzthäufige Wiederholungen seitens der Eltern voraus. Wichtig ist dabei, dass Eltern einen Bezug zwischenWort und Objekt herstellen. Eltern deuten in Interaktionen mit ihrem Kind beispielsweise häufig aufMutter oder Vater und betonen dabei immer wieder, dass es sich um „Mama“ oder „Papa“ handelt.Durch diese sozialen Interaktionen bilden Kinder assoziative und kontextgebundene Verknüpfungenund imitieren Wörter. Kegel (2000) weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung von Lernvorgängen(operantes Konditionieren) hin: „Durch unbewußte, aber doch zielorientierte Intervention führtder Erwachsene das Kind zu den Artikulationsnormen der Umgebungssprache und zu einem stabilenWortgebrauch“ (S. 6). Wird anfangs noch jeder Lautäußerung Beachtung geschenkt, so wird im Laufeder Zeit nur noch der richtige Wortgebrauch bekräftigt (Verstärkungslernen) (vgl. Skinner 1957). Mit zunehmendemAlter können Kinder nun Laute bedeutungsdifferenzierend einsetzen, lernen demzufolgeerste Wörter zu artikulieren und in ihrer tatsächlichen Bedeutung einzusetzen.

Um jedoch eine Sprache vollständig zu erlernen, reicht die Fähigkeit, Gehörtes zu imitieren, keinesfalls aus. Zusätzlich müssen Kinder jene abstrakten Regeln, die einer Sprache zugrunde liegen, wahrnehmen,abspeichern und anwenden, um selbstständig Sätze bilden zu können. Dieser Lernprozess verläuftimplizit, d. h. ohne bewusste Reflexion (Kegel 2000).

Die ersten Worte

Die ersten Worte von Kindern bezeichnen in der Regel Familienmitglieder, tägliche Abläufe, Essen, Fahrzeuge, Spielsachen oder Tiere – all jenes, was ihnen im täglichen Leben wiederholt begegnet (Weinert& Grimm 2008). Mit den ersten 20 bis 30 Wörtern kann ein Kind bereits relativ viele Sachverhaltezum Ausdruck bringen. Die Bedeutung eines Wortes erschließt sich den Bezugspersonen dabei aus derBetonung (z. B. appellierend, fragend). Durch die enge Bindung zum Kind können Eltern den erstenWörtern Bedeutungen zuschreiben (Kegel 2000).

5-Das zweite Lebensjahr – Zweite Hälfte

Aussprache

Gegen Ende des zweiten Lebensjahres können Kinder alle Vokale und einen Großteil der Konsonantenaussprechen (Kegel 2000). Die Symbolfunktion bildet sich weiter aus und mündet in der Wortexpansion. Durch den erweiterten Wortschatz folgen Zweiwortkombinationen und damit verbunden die Anwendung erster Grammatikregeln. Im Zusammenhang mit der Symbolfunktion sind die Phänomene der Übergeneralisierungen/Überdiskriminierungen und das Induktionsproblem ein Hinweis auf die Fähigkeit zur Kategorienbildung.

Wortexplosion

In dieser Phase werden Sprache und Kognition durch die Symbolfunktion weiter verknüpft (vgl. Wygotski 1971). Kinder in der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahres haben gelernt, dass jedes Objekt mit einemWort benannt werden kann (Goldfield & Reznick 1990) und ordnen Wörtern relativ schnell Bedeutungenzu. Ungefähr mit 18 Monaten erreichen sie die sogenannte magische „50-Wörter-Marke“ undbeherrschen rezeptiv rund 200 Wörter. Man spricht vom „Benennungsspurt“ bzw. der „Wortexplosion“,durch die Kinder nun wesentlich schneller als bisher neue Wörter hinzulernen. Bereits im Alter von 20Monaten können Kinder circa 170 Wörter selbst produzieren. Dabei gibt es jedoch gravierende interindividuelleUnterschiede (Bates et al. 1996). Die wissenschaftliche Auswertung von 1.062 FRAKISFragebögenbestätigt dies: Während der Wortschatz der „untersten“ 10 Prozent der Kinder maximalaus 46 Wörtern besteht, verfügen die „oberen“ 10 Prozent bereits über 458 Wörter. Durchschnittlichumfasst der Wortschatz in dieser Altersklasse 214 Wörter (Szagun 2007b).

Wortkombinationen

Mit 20 Monaten verfügen Kinder über einen rezeptiven Wortschatz von 100 bis 200 Wörtern. In dieser Phase beginnen sie erstmals Wörter zu kombinieren. Der Übergang vom Einwortsatz zum Zweiwortsatzsetzt den Einsatz verinnerlichter Kombinationsregeln (Satzsyntax) voraus. Die Fähigkeit, Wörtersinnvoll zu kombinieren, wird als Beginn der produktiven Grammatik betrachtet (vgl. Szagun 2007a).

Durch die Kombination zweier Wörter drücken Kinder dieser Altersgruppe über Bedeutungsrelationen ihre Bedürfnisse aus. Zum Beispiel: „Tür auf“, „Papa Arm“, „mehr Saft“ … (vgl. Grimm 1999). Dasystematisch Wörter weggelassen werden, bezeichnet man diesen Sprachstil als telegrafisch. Der telegrafischeSprachstil kann bei Kindern weltweit beobachtet werden (Berk 2005).

Verben und Funktionswörter

Ende des zweiten Lebensjahres setzen Kinder erstmals Verben ein. Meist handelt es sich dabei um einfache Tätigkeiten wie Essen, Trinken, Baden etc., die das Kind bereits ausführen kann (Kiese-Himmel2004). Ab etwa 400 Wörtern kommen Funktionswörter (z. B. Artikel, Präpositionen, Konjunktionen,Modalwörter) hinzu (Weinert & Grimm 2008). Der Ausdruck von Gefühlen ist etwa ab dem Alter von22 Monaten möglich. Zuerst werden einzelne Wörter freudig, traurig etc. ausgesprochen. Ab dem Alter von rund drei Jahren können Kinder Gefühle wie „traurig“ oder „lustig“ benennen (Bloom 1998).

 

6-Das dritte Lebensjahr

Im dritten Lebensjahr verschmelzen Sprache und Kognition endgültig. Als Folge davon können Kinder erstmals Wörter indirekt erwerben. Darüber hinaus benutzen Dreijährige zunehmend die Ich-Formund begegnen ihren Bezugspersonen mit einer Vielzahl von Fragen. Die Übergeneralisierung vonGrammatikregeln macht die Fähigkeit, abstrakte Regeln zu verinnerlichen, deutlich.

Nach Böhme (2003) sind die Kernbereiche der Grammatik und der Wortschatz eines Kindes nach dem Alter von drei Jahren weitestgehend ausgebildet.

 

Sprachentwicklung zwischen 8 und 28 Monaten( nach: Grimm 2003)

8-10 Monate

Wortverständnis

10-13 Monate

Wortproduktion

18-20 Monate

Wortexplosion

20-24 Monate

Wortkombination

Ab 28 Monate

Grammatik

 

7-Vier bis sieben Jahre

Vier- bis Siebenjährige verfügen über einen breiten Wortschatz, verfeinern ihre Aussprache und bilden zunehmend komplexe, grammatikalisch korrekte Sätze. Im Gespräch beweisen sie zunehmend pragmatischeKompetenz. Vor allem beim Spielen kann jedoch häufig noch die alterstypische egozentristischeSprache beobachtet werden.

Wörter und Sätze

Mit vier bis fünf Jahren verfügen Kinder über einen ausreichend großen Wortschatz, um sich mit einfachen Sätzen gut verständigen zu können. Die Komplexität der Sätze nimmt laufend zu (Weinert &Grimm 2008). Es gelingt Kindern zunehmend, Rangreihen (schnellstes Tier, zweitschnellstes etc.), Untergruppen(Raubtiere werden in Raubvögel und Raubkatzen unterteilt) und Querverbindungen (Relationen)zu bilden (Kasten 2006).

Aussprache

Etwa zum Schuleintritt sind Kinder in der Lage, alle Vokale und Konsonanten korrekt zu formulieren und in Kombination richtig auszusprechen (vgl. Kany & Schöler 2007). Artikulationsprobleme tretennur noch bei besonders schwierigen Wörtern auf (Kegel 2000).

Grammatikerwerb

Bis zum Schuleintritt verfeinert sich die Grammatik. Schwere Grammatikverstöße sind eher die Ausnahme (Weinert & Grimm 2008).

Pragmatische Kompetenz

Gesellschaftliche Normen bestimmen zunehmend die Entwicklung von Kognition und Sprache. Eltern fordern von ihren Kindern zunehmend die Anwendung von Höflichkeitsformeln wie „Bitte“ und „Danke“, Begrüßungs- und Abschiedsfloskeln etc. (Kegel 2000). Pragmatische Kompetenz meint das Wissen, in welchem sozialen Kontext man wem, was, in welcher Weise sagt. Ist die pragmatische Kompetenz zu wenig ausgebildet, treten Schwierigkeiten im Kontakt mit Gleichaltrigen und Erwachsenen auf.

 

H-Das Schulalter

Mit dem Eintritt in die Schule muss das Kind seine egozentristische Sprache aufgeben. Das Schulkind kann sich gut ausdrücken und erwirbt den „echten Begriff“ und explizites Sprachwissen.

Das Ende egozentristischen Sprechens

Durch den Besuch der Schule muss die handlungsbegleitende Sprache unterdrückt werden. Schließlich ist es im Schulunterricht unerwünscht, Handlungen laut zu kommentieren. Das egozentristischeSprechen geht in eine innere Sprache über. Nun werden Handlungen nur noch im Geiste kommentiert(Kegel 2000).

Der echte Begriff

Erst im Schulalter gelangt der Mensch zum „echten Begriff“. Begriffe sind dem Sprecher bewusst, können reflektiert und definiert werden. „Der echte Begriff ist das sprachlich-kognitive Werkzeug desMenschen zur Beherrschung der Welt“ (Kegel 2000, S. 15). Wort und Gegenstand können gedanklichvoneinander getrennt werden. Diese Fähigkeit stellt eine wichtige Voraussetzung für den Schriftspracherwerbdar (Andresen 2005).

About the author

1985-1988 Dörtler Köyü İlköğretim Okulu 1988- 1993 Sakıp Sabancı İlköğretim Okulu 1993-1996 Orhan Çobanoğlu Lisesi 1997-2000 Almanya'da Turist 2001-2002 Vatani Görev Isparta Muş'ta yaptım 2002-2004 Açiköğretim Lisesinden Üstün Başarı 2005-2010 Hacettepe Üniversitesi Alman Dili Öğretmenliğinde Mezun Oldum 2010-2011 Halk Eğitim Merkezinde Almanca Öğretmenliğine Başladım 2011-2013 Çeşitli Özel Dersane ve Okullarda çalıştım 2013- .... Milli Eğitimde Almanca Öğretmeni olarak çalışmaya devam ediyorum