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İndir/Yükle

Einführung in die Semantik

Zeichentypologie

Modelle des sprachlichen Zeichens

Zeichentypologie

Zeichen können auf unterschiedliche Weise und nach verschiedenen
Kriterien klassifiziert werden. Für unsere Zwecke von besonderer
Wichtigkeit sind die Zeichentypen, die sich aus der Natur der
Beziehung zwischen einem Zeichen und seinen Denotat ergeben:

Ikone (Sg. Ikon, ikonische Zeichen)

Indizes (indexikalische Zeichen: Anzeichen und Symptome)

Symbole (arbiträre bzw. konventionelle Zeichen)

Zeichen als Ikon

Definition Ikon

Ein Ikon (adj. ikonisch, vom griechischen Wort εικων [eiko:n] ‘Bild, Ebenbild’
abgeleitet) ist ein Zeichen, das aufgrund von bildhafter Ähnlichkeit oder
Analogie mit dem Denotat gebildet wird. Diese Ähnlichkeit kann visuell,
akustisch oder anders bedingt sein. Typische Beispiele sind die
Pikto-gramme, die heute weithin zur Erleichterung der internationalen
Kommuni-kation verwendet werden und Ikone in diesem Sinne sind. Ein
stilisierter Rollstuhl z.B. verweist auf besondere Einrichtungen für Behinderte
etc.

Zeichen als Ikon: Bilder, Diagramme, Metaphern

Ein Ikon besitzt nicht alle Eigenschaften seines Denotats, d.h.
es gibt Grade von Ikonizität.

Peirce unterscheidet drei Arten von Ikonen, und zwar

Bilder (Fotographien, Zeichnungen), die ihrem Gegenstand in
einigen Merkmalen gleichen,

Diagramme, die Beziehungen zwischen dessen Teilen
wiedergeben (z.B. ein Lageplan)

Metaphern, in denen sich eine allgemeinere Parallelität
widerspiegelt.

Ikone in diesem Sinne wären dann auch die Diagramme, die
beispielsweise in der Syntax zur Darstellung der Satzstruktur
verwendet werden. Als Baumdiagramme sind sie einerseits
Diagramme im Peirceschen Sinne, andererseit auch Metaphern.

Zeichen als Ikon: Bild – Diagramm

Zeichen als Ikon – Onomatopoetika

Ikone unterschiedlicher Ikonizität von Lautnachahmung bis
Lautsymbolik sind auch lautmalende Wörter (Onomatopoetika)
wie kikeriki, mäh-mäh, miau, wau-wau, Kuckuck einerseits und
lautmalende Nachschöpfungen wie gurren, grunzen, knurren,
surren, gackern, blöken, rieseln, flitzen, Blitz, Gruft, Höhle
andererseits. (Bei Kuckuck wird allerdings nicht der Laut
bezeichnet, sondern das Tier, das den Laut hervorbringt).

Zeichen als Index oder Symptom

Definition Index

Ein Index (Pl. Indizes, Adj. indexikalisch) ist ein Zeichen, das durch
eine direkte reale (z.B. kausale) Beziehung zwischen einem
“Anzeichen” und einem Objekt konstituiert wird. Beispiele:

Rauch ist ein Anzeichen von Feuer

dunkle Wolken ein Anzeichen für bevorstehenden Regen

eine Windfahne zeigt die Windrichtung an

der Moosbewuchs eines Baumes weist auf die Wetterseite

Je nach Art der Beziehung können weitere Unterarten von Indizes
unterschieden werden. So gibt es beispielsweise einen Untertyp, der
nicht nur auf die Existenz eines Objekts hinweist, sondern vielmehr
auf einen besonderen Zustand, in dem sich das Objekt befindet.
Solche Zeichen werden Symptome genannt.

Zeichen als Index oder Symptom

Definition Symptom

Ein Index, der auf einen besonderen Zustand eines Objektes oder
einer Situation verweist, wird Symptom genannt. Beispiele:

Fieber als Symptom für Krankheit

Lallen als Symptom für Trunkenheit

Indizes fehlt im Vergleich zu anderen Zeichentypen (Ikon und
Symbol) meist das Merkmal der Intentionalität, d.h. sie werden nicht
absichtlich als Zeichen gesetzt, sondern ergeben sich aus den
Zusammenhängen der Situation, in der sie auftreten.

Motivierte Zeichen vs. Symbole

Ikone, Indizes und Symptome sind durch die Objekte, auf die sie
verweisen, motiviert. In natürlichen Sprachen spielen diese
Zeichentypen allerdings nur eine marginale Rolle.

Bei der Mehrheit aller sprachlichen Zeichen ist die Beziehung
zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten völlig arbiträr
(beliebig) bzw. konventionell (auf stillschweigender Übereinkunft
beruhend) in dem Sinne, daß es keinen natürlichen (in der Natur
des Gegenstandes liegenden) oder kausalen Zusammenhang
zwischen der Zeichengestalt und dem Objekt gibt.

Diese konventionellen Zeichen werden Symbole genannt.

Zeichen als Symbol

Definition Symbol

Zeichen sind Symbole (Adj. symbolisch), wenn die Beziehung
zwischen ihnen und ihren Denotata arbiträr oder konventionell ist,
oder sprachintern motiviert (z.B. Wortbildung).

Während zwischen Index und Objekt eine Folgebeziehung besteht
und das Ikon eine Analogie mit dem Objekt hinsichtlich der
Zeichengestalt aufweist, liegt zwischen Symbol und Objekt keine
derartige Beziehung vor.

Sprachliche Zeichen sind in diesem Sinne generell symbolische Zeichen

Modelle des sprachlichen Zeichens

Bisher haben wir Zeichen im allgemeinen Sinne der Semiotik
behandelt. Für uns von besonderem Interesse sind natürlich die
Zeichensysteme natürlicher Sprachen. Wir wollen daher im
folgenden kurz einige Zeichenmodelle besprechen, die für die
Entwicklung der Sprachwissenschaft im vergangenen
Jahrhundert von großer Bedeutung gewesen sind.

Das Zeichenmodell von de Saussure

Von größter Bedeutung für die Geschichte der neueren
Sprachwissenschaft war das Zeichenmodell von Ferdinand de
Saussure.

Für de Saussure sind Zeichengestalt (image acoustique, Lautbild)
und Begriff (concept) beide psychische Gegebenheiten, die in
unserem Gehirn durch Assoziation eng miteinander verknüpft sind.

Diese Verknüpfung ist so eng, daß beide Elemente als zwei Seiten
der gleichen Sache erscheinen, wie Vorder- und Rückseite eines
Blatt Papiers oder die beiden Seiten einer Medaille. Lautbild und
Begriff können sich gegenseitig evozieren. Die Präsenz des
Lautbildes /baum:/ z.B. evoziert den damit assoziierten Begriff
“Baum”, und umgekehrt (im Bild wird dies durch die beiden Pfeile
ausgedrückt).

Das Zeichenmodell von Saussure

Im Gegensatz zu unserer bisherigen Verwendung von Zeichen
im Sinne von Zeichengestalt, verwendet de Saussure den
Begriff Zeichen (frz. signe) für die Assoziation von Lautbild und
Begriff. Für die beiden Komponenten des Zeichens schlägt er
die Bezeichnungen signifié (Begriff) und signifiant (Lautbild) vor,
die unmittelbar den bereits verwendeten Bezeichnungen
Signifikat und Signifikant entsprechen.

Baum

/baum/

Das Zeichenmodell von Saussure

Begriff

Lautbild

signifié

signifiant

Prinzip der Arbitrarität

Nach Saussure besitzt das Zeichen zwei wesentliche
Eigenschaften, das der Arbitrarität und das der Linearität.

Die Eigenschaft der Arbitrarität haben wir bereits kennengelernt.
Sie besagt, daß trotz der wechselseitigen Abhängigkeit von
Signifikant und Signifikat (Ausdruck und Inhalt), diese Verbindung
nichts Naturgegebenens ist. Sie ist vielmehr willkürlich oder
arbiträr. Dabei ist willkürlich hier in dem Sinne zu verstehen, daß
die Zeichenform (Ausdruck) in keiner Weise durch den Inhalt
bestimmt ist und umgekehrt auch der Inhalt nicht aus der Form
ableitbar ist.

Daß dies so ist, wird deutlich, wenn man die Ausdrücke in
verschiedenen Sprachen für äquivalente Inhalte vergleicht: dt.
Baum /baum/, engl. tree /tri:/, frz. arbre /arbr@/, swahili mti,
japanisch ki , arabisch ÑjVq /Sagar(at)/, russ. дерива /djeriv/ etc.

Prinzip der Arbitrarität

Das Prinzip der Arbitrarität gilt jedoch strikt nur bei den
Basiswörtern einer Sprache, und auch da bilden die ikonischen
Zeichen eine Ausnahme.

Bei komplexen Zeichen, d.h. bei zusammengesetzten und
abgeleiteten Wörtern (Komposita: Eisenbahn,
Sonnenuntergang; Ableitungen: Arbeiter, unmöglich), ist die
Zuordnung von Inhalt und Ausdruck nicht völlig arbiträr.

Die Bedeutung komplexer Zeichen ist wenigstens partiell aus
den Bedeutungen der Grundzeichen herleitbar. Die Assoziation
zwischen dem Ausdruck und dem Inhalt solcher komplexen
Zeichen ist relativ (zu den Grundwörtern) motiviert.

Prinzip der Arbitrarität

Das Prinzip der Arbitrarität spielt eine wichtige Rolle in der Logik
der historisch vergleichenden Sprachwissenschaft, die den
Prozeß der Veränderung von Sprache in der Zeit zum
Gegenstand hat. Würde das Prinzip der Arbitrarität nicht gelten,
dann wäre die Tatsache, daß Ausdruck und Inhalt sprachlicher
Zeichen sich unabhängig voneinander verändern können,
schwer zu erklären.

Andererseits können wir feststellen, daß die Zeichenformen von
äquivalenten Zeicheninhalten in ganz verschiedenen Sprachen
sehr große Ähnlichkeiten aufweisen können.

Prinzip der Arbitrarität

nhd
.

ai.

gr.

lat.

air.

ahd
.

ae.

‘Mutter’

m

a

¯

t

á

¯

ìÞôçñ

m

a

¯

ter

m

a

¯

thir

muoter

m

o

¯

dor

‘Vater’

pit

á

¯

ðáôÞñ

pater

athir

fater

f

“$

e
r

‘Bruder

bhr

á

¯

t

a

¯

öñÜôçñ

frater

br

a

¯

thir

bruoder

br

o

¯

Do
r

Nhd. = neuhochdeutsch; ai. = altindisch (Sanskrit); gr. = griechisch;
lat. = lateinisch; air. = altirisch; ahd. = althochdeutsch;
ae. = altenglisch; idg. = indogermanisch.

Prinzip der Linearität

Konventionalität

Arbitrarität bedeutet nicht, daß es in die freie Wahl Sprechers
gestellt ist, welche Ausdrücke mit welchen Inhalten assoziiert
werden, sondern daß ein Ausdruck nicht durch den Inhalt
motiviert ist.

Linearität

Die primäre Ausdrucksform der Sprache ist die gesprochene
Sprache. Da Sprechen einen zeitlichen Ablauf hat, folgt daraus,
daß Sprache linear ist.

Bühlers Organonmodell

Das Zeichenmodell von Karl Bühler zeichnet sich dadurch aus,
daß es bestimmte Zeichenfunktionen von vornherhein mit
einbezieht. Bühlers Organonmodell ist als Zeichenmodell
zugleich schon ein Kommunikationsmodell.

Bühler bezieht sich bei der Vorstellung seines Modells auf Plato,
der im Dialog Kratylos sagen läßt, die Sprache sei ein organon
didaskalein, d.h. “ein Werkzeug, womit einer dem anderen
etwas mitteilt über die Dinge.” Daher der Name
“Organon-Modell”.

Die drei grundlegenden Funktionen, die jedes Sprachliche
Zeichen hat, sind Ausdruck, Darstellung und Appell.

Bühlers Organonmodell

Nehmen wir folgende Kommunikationssituation an:
Vater und Sohn befinden sich in einem Zimmer. Der Vater
äußert das “Schallphänomen” /es ‘tsi:t/. Daraufhin geht der Sohn
zum offenen Fenster und schließt es. Das Schallphänomen ist
als Zeichen:

(1)
Symbol: Es stellt den Sachverhalt “im Zimmer ist ein Luftzug” dar
(Darstellungsfunktion);

(2)
Symptom: Es kann den inneren Zustand des Sprechers
ausdrücken (“der Luftzug ist mir unangenehm”, Ausdrucksfunktion);

(3)
Signal: “Ich wünsche, daß der unangenehme Zustand beseitigt
wird” (Appellfunktion).

Bühlers Organon-Modell

Bühlers Organonmodell

Bühler erklärt sein Zeichenmodell selbst wie folgt:

Der Kreis in der Mitte symbolisiert das konkrete Schallphänomen. Drei
variable Momente an ihm sind berufen, es dreimal verschieden zum Rang
eines Zeichens zu erheben. Die Seiten des eingezeichneten Dreiecks
symbolisieren diese drei Momente. Das Dreieck umschließt in einer
Hinsicht weniger als der Kreis (Prinzip der abstraktiven Relevanz). In
anderer Richtung wieder greift es über den Kreis hinaus, um anzudeuten,
daß das sinnlich Gegebene stets eine apperzeptive Ergänzung erfährt. Die
Linienscharen symbolisieren die semantischen Funktionen des (komplexen)
Sprachzeichens. Es ist Symbol kraft seiner Zuordnung zu Gegenständen
und Sachverhalten, Symptom (Anzeichen, Indicium) kraft seiner
Abhängigkeit vom Sender, dessen Innerlichkeit es ausdrückt, und Signal
kraft seines Appells an den Hörer, dessen äußeres oder inneres Verhalten
es steuert wie andere Verkehrszeichen.
(Bühler 1934: 28).

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